Eine spannende Frage: Wie kommt das Horn des Wasserbüffels auf die Nase des Kunden?

Das ist lange Geschichte, die wahrscheinlich in China und im Zweistromland vor mehr als 5’000 Jahren begann. Damals domestizierten die Menschen zum ersten Mal Rinder, asiatische Wasserbüffel nämlich. Diese ruhigen, genügsamen Tiere wurden als Zug- und Lasttiere gehalten, und als Lieferanten für Milch, Fleisch, Leder und Horn. Wasserbüffel sind kleiner als unsere Kuhrassen, liefern weniger Milch, dafür solche mit einem doppelt so hohen Fettgehalt. Die Hörner wurden in alter Zeit als Gebrauchs- und Kultgegenstände und als Ausgangsmaterial für Praktisches, wie etwa Knöpfe, oder aber für Schmuck gebraucht. Sie sind viel dickwandiger als Kuhhörner, bei einigen Rassen auch massiv.

Wasserbüffel leben nicht im Wasser, aber in den heissen Ländern kühlen sie sich gerne mit einem Bad in Flüssen oder Seen ab. Oder sie suhlen sich in einem Schlammbad, bei welchem sich ihre Haut mit einer Schicht überzieht, an welcher sich nach dem Eintrocknen die blutsaugenden Insekten den Rüssel krumm drücken. Ursprüngliche, wilde Wasserbüffel gibt es heute nur noch ganz wenige. Dafür haben sich die gezüchteten von Asien aus fast über den ganzen Rest der Welt verbreitet, sogar bis ins Entlebuch. Von dort stammt übrigens ein ausgezeichneter Mozzarella di bufala, wie er sonst vor allem in Italien hergestellt wird.

Aber nun endlich zur Nase! Bei vielen Leuten sitzt den lieben langen Tag und oft noch die halbe Nacht – eine Brille auf der empfindlichen Haut. In den ersten Jahrhunderten nach ihrer Erfindung waren Brillengläser ganz schön schwer. Nicht verwunderlich also, dass die Brillenmacher gerne Fassungen aus hautfreundlichen Naturprodukten fertigten: Aus Schildpatt, Elfenbein, edlen Hölzern oder Horn! Schildkrötenpanzer und Elefantenstosszähne sind unterdessen zu Recht tabu, Holz ist problematisch wegen des Anpassens der Brille – aber Horn ist bis heute ein komfortabel zu tragendes, leichtes und extrem verträgliches Material.
Für die moderne Brillenfabrikation werden die Büffelhörner in dünne Platten gesägt. Diese werden stapelweise und gegenläufig unter Druck und Dampf miteinander verpresst, um ein formbeständiges, festes Ausgangsmaterial zu garantieren. Ausserdem erlaubt die heutige Technik auch das schichtweise Kombinieren mir anderen Naturprodukten. Brillenfassungen und Bügel werden dann ausgesägt und zugeschliffen. Wenn die Teile dann perfekt poliert sind, zeigen sich die tiefen, matt glänzenden Farben, die von nachtschwarz über honiggelb und von olivenbraun über bernsteinfalb bis zu milchweiss reichen – und bei jeder Brillenfassung in ihrer Kombination einzig und verschieden sind.